Zecken-Krankheiten

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Borreliose

„Wochenend´ und Sonnenschein und dann mit Dir im Wald allein..“ Die Verse haben einen bisweilen bedrohlichen Unterton bekommen. Kann man sich noch sorgenfrei im Grünen amüsieren? Wie riskant ist es, den Nachwuchs auf der Wiese hinter dem Haus spielen zu lassen?
Immer mehr Bürger sind verunsichert, welche Folgen ein Zeckenstich haben kann. Und die Ratschläge reichen von „Alles nicht so schlimm, bloß keine Panik“ bis „Gehen Sie sofort ins Krankenhaus!“.

Was ist dran an dem Gerede über den Nachbarn, der plötzlich faul wird und nicht mehr zur Arbeit geht? Warum lässt er sich nicht mehr blicken? Diese ständige Jammerei ist ja nicht zu ertragen!

Ohne Polly Murray, einer aufmerksamen Mutter an der Ostküste der USA, wäre die Entdeckung von Borrelia burgdorferi als einer Infektionserkrankung von weltweitem Ausmaß wohl nie gelungen. Sie konnte einfach nicht glauben, dass ihre Kinder und deren Spielkameraden „unerklärlich“ krank wurden. Was hat es mit dieser Entdeckung auf sich?

Zecken sind kleine Vampire, die fast unbemerkt zustechen und während ihrer Blutmahlzeit Mikroben übertragen können. Am bekanntesten sind dabei Spindelbakterien, Borrelien, die Auslöser der Lyme-Borreliose. Sie sind artverwandt mit Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis oder Lues. Sie sehen nicht nur ähnlich aus, sondern verursachen auch durchaus vergleichbare Krankheitsbilder Borreliose Syphilis.pdf

Nach einem Zeckenstich kann sich eine Wanderröte (Erythema migrans) entwickeln, es kann zu einer „Sommergrippe“ kommen oder es passiert nichts. Wenn es dabei bliebe, wäre die ganze Sache unproblematisch. Leider ist das nicht immer so. Die winzigen Schraubenbakterien haben ein ganzes Arsenal von Möglichkeiten, um zu überleben. Und diese Überlebensstrategien sind nicht zeitgemäß: sie arbeiten langsam und ohne Hektik, dafür aber sorgfältig und effizient. In unserer schnelllebigen Welt mit ihrem rasenden Stillstand haben sie die Langsamkeit entdeckt, um uns zu überlisten. Und beinahe sind sie damit so gut gewesen, dass sie ohne Polly Murray und Willy Burgdorfer weiterhin unerkannt geblieben wären.

Wenn wir verstehen wollen, was es mit Borrelia burgdorferi (Bb) auf sich hat, sollten wir uns vergegenwärtigen, wie das Bakterium arbeitet.
PDF Pathomechanismen

  • Bb vermehrt sich langsam,
  • kann sich in wenig durchblutetes Gewebe zurückziehen,
  • überlebt in Zellen, auch in Nervenzellen!
  • Trickst das Immunsystem aus,
  • verändert sein äußeres Erscheinungsbild vollständig
  • und hat Bausteine, um an körpereigenes Gewebe anzuhaften
  • und sich hindurchzubohren.


So mannigfaltig wie die Pathomechanismen von Borrelia burgdorferi sind, so schwierig kann es sein, eine Infektion und gar eine Erkrankung zu erkennen. Dies gilt insbesondere für labortechnische Methoden. Man kann sagen, dass sich anhand eines serologischen Befundes keine Aussagen über den Schweregrad einer Erkrankung treffen lassen. Darüber hinaus sind die meisten Teste nicht vergleichbar und nicht standardisiert.

Das Erkrankungsbild der Lyme-Borreliose kann so bunt sein, dass mancher Skeptiker es kaum glauben mag. Und so gleicht es detektivischer Arbeit, dem Verursacher manch hartnäckiger Beschwerden auf die Schliche zu kommen.
http://www.biotech-europe.de/rubric/archiv/editorials/50.html

Ist der Übeltäter endlich entlarvt, dann kann mit der Behandlung begonnen werden. Leider genügt in hartnäckigen Fällen eine übliche „kurze“ Antibiose von 3 Wochen nicht. So stehen Ärzte und Betroffene oft am Rande ihrer Möglichkeiten und suchen nach Auswegen aus einer verzweifelten Lage. Praktische Leitfäden zur Behandlung von Borreliose und Coinfektionen finden Sie bei:
Burrascano Guidelines 2005.pdf
Empfehlungen der Deutschen Borreliose-Gesellschaft.pdf
und im neu erschienenen Buch von Frau Dr. Hopf-Seidel:
Krank nach Zeckenstich - Link zu Amazon
oder im Buchhandel: ISBN 978-3-426-87392-2 - 9,95 €

 

Coinfektionen

 

Rickettsiose

Rickettsien leben intrazellulär und können verschiedene Erkrankungsarten auslösen: die Fleckfieber- Gruppe und die Typhus-Gruppe. Aufpassen sollten vor allem Reisende in den Mittelmeerraum, die z.B. nach Zeckenstich eine schlecht heilende "schwarze" Wunde ("tache noir") oder einen hartnäckigen Ausschlag mit Fieber und Gliederschmerzen entwickeln.

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Ehrlichiose / Anaplasmose

Ehrlichien bzw. Anaplasmen wurden in Deutschland in Zecken nachgewiesen. Sie sind mit den Rickettsien verwandt. Die Erkrankungshäufigkeit ist unklar. Es gibt eine deutliche Durchseuchung bei Hunden. Eine Erkrankung kann sich durch Fieber, Muskelschmerzen und Schwellungen äußern. Labortechnisch können Blutbildveränderungen (verminderte Leukozyten- und Thrombozytenzahlen) und erhöhte Leberwerte auffallen.

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Babesiose

Babesien gehören wie der Erreger der Malaria zu den Protozoen (einheimische Malaria). Sie leben in den roten Blutkörperchen. Babesien können auch durch Bluttransfusionen übertragen werden. Es gibt viele verschiedene Arten. Das Beschwerdebild ist auch hier unspezifisch. Eine Babesiose kann sich durch Blutarmut (Anämie) zeigen. In einigen Regionen Deutschlands kommt die Auwaldzecke (Dermacentor reticularis) vor. Sie ist ein Vertreter der Gattung der Buntzecken und Überträger von Babesia canis, dem Erreger der für Hunde gefährlichen Hundebabesiose.

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Bartonellose

Die bekannteste Bartonellose ist die "Katzenkratzkrankheit", die vor allem durch geschwollene Lymphknoten auffällt. Bartonellen können z. B. auch eine Herzentzündung oder Hautveränderungen verursachen. Auch in Zecken wurden Bartonellen nachgewiesen. Die Erkrankungshäufigkeit ist noch unklar.

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Tularämie

Die Tularämie (Hasenpest) wird durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht. Die Übertragung erfolgt vorwiegend durch den direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Organen, z. B. beim Abhäuten. Ebenso kann die Krankheit durch Zecken und Flöhe übertragen werden. Das Krankheitsbild hängt von der Eintrittspforte des Erregers ab und weist eine entsprechende Vielfalt auf. Ohne eine Behandlung mit Antibiotika geht man von einer Sterblichkeitsrate von etwa einem Drittel aus.

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Q-Fieber

Der Überträger des Erregers Coxiella burnetii ist die Schafzecke. Sie befällt hauptsächlich Schafe, Ziegen und Rinder. Besonders bei Schafen kommt es häufig zu Aborten, deren eingetrocknete Fruchthäute hoch infektiös sind. Die Ansteckung des Menschen erfolgt meist auf aerogenem Wege z. B. durch Inhalation von erregerhaltigem Staub (Zeckenkot, Fruchthäute). Sehr selten kommt es zur Krankheit nach dem Genuss von infizierter Milch. Die Symptome können vielfältig sein: Fieber, Muskel-, Brust- und Kopfschmerzen, Lungenentzündung und chronische Herzschäden. In Deutschland treten immer wieder lokale Infektionsherde auf.

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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, eine Hirnhaut-/ Gehirnentzündung)

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 250 bis 500 Menschen an diesem Virus. Eine Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht, ein Impfstoff ist jedoch vorhanden. Unter Abwägung von Nutzen und Risiken wird die Impfung in der Regel den Bewohnern von Risikogebieten oder bei einem Aufenthalt mit entsprechenden Freizeitaktivitäten in diesen Gebieten von der ständigen Impfkommission empfohlen. Wichtig: Auch nach einer FSMEImpfung sind vorbeugende Maßnahmen gegen einen Zeckenstich unverzichtbar.

 

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Zitat aus: www.bzk-online.de Und der Broschüre des BZK "Vorsicht vor Zeckenstichen" Wir bedanken uns hierfür herzlich bei Frau Everth!